Im Interview: Prof. Doralt über die KODEX App

Prof. Werner Doralt im Gespräch zur KODEX App und warum es wichtig ist, beim Büchermachen vor allem an die Leser zu denken.

Herr Professor, die Kodex-App ist seit Anfang diesen Jahres auf dem Markt und wurde in wenigen Wochen rund 15.000 Mal heruntergeladen. Sind Sie zufrieden?
Es ist für mich sehr erfreulich, dass uns Benutzer zur App gratulieren. Sie wird sehr gut angenommen. Die Gratis-App hat sich rasch durchgesetzt. Auch die Zahl jener, die den gedruckten Kodex beziehen und danach die App abrufen, übertrifft unsere Erwartungen.

Wie erklären Sie sich den Erfolg? Man sagt doch den Juristen eine Vorliebe fürs Gedruckte nach…
Vielleicht ist der Juristenberuf konservativ geprägt, und das schlägt sich möglicherweise im Leseverhalten nieder. Gedruckte Bücher bieten auch tatsächlich Vorteile, die die elektronischen Medien noch nicht bieten können. Andererseits gibt es kaum eine Kanzlei, die auf Online-Medien verzichtet. Und die Bibliothek bei sich zu haben, egal wo man ist, ist nicht zu unterschätzen. Die Leser verwenden elektronische Inhalte auch zusehends subsidiär: In Situationen, in denen sie das Buch nicht verwenden können, greifen sie zu Apps.

Gesetzestexte könnte man sich ja auch bequem im RIS lesen und ausdrucken. Dennoch verwenden viele den Kodex. Warum?
Das ist ja das Interessante. Der Kodex und die App sind offenbar handlicher und bequemer. Das war auch die Grundannahme von Linde und LexisNexis. Apps mit Gesetzestexten gab es ja bisher auch schon, aber nun schien es mir, Linde und LexisNexis ratsam, ebenfalls auf dem Markt zu erscheinen.

Welche Rolle spielen elektronische Inhalte und Hardware in der juristischen Ausbildung?
Das ergibt sich schon aus der täglichen Arbeit, denn die Judikatur liest man heutzutage elektronisch. Bei Prüfungen kann man elektronische Texte nicht einsetzen. Aber vielleicht wird sich das einmal ändern.

Welche Ansprüche haben Sie denn generell ans Büchermachen – oder im Zeitalter der Digitalisierung neutraler formuliert: an die Aufbereitung von Inhalten?
Ein Buch fängt beim Cover an, beim Titel. Der sollte nicht nur dem Autor überlassen werden. Ich würde beispielsweise niemals ein Buch „Grundriss des Steuerrechts“ nennen, sondern „Steuerrecht. Ein Grundriss“. Steuerrecht ist das Signalwort und Grundriss bezeichnet den Charakter des Werks. Autoren wiederum kümmern sich zu wenig ums Cover, weil sie meinen, das sei die Aufgabe des Verlags. Darüber hinaus sollte es unsere Aufgabe sein, dem Leser den größtmöglichen Nutzen zu bieten, nämlich nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Gestaltung.

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